Kommunikation ist alles - LIMS-Schnittstellen (2)

Im ersten Teil des Beitrags haben wir uns mit grundlegenden Fragen über LIMS-Schnittstellen beschäftigt, nun soll es um die technische Umsetzung und mögliche Probleme gehen.

Wie kann jetzt das Laborinformationssystem (LIMS) Daten von anderen Informationssystemen erhalten oder an sie senden? Die Schnittstellendefinition (vergleichbar unserem Antragsformular) ist vorhanden, aber wir müssen noch festlegen, wie quasi das ausgefüllte Formular an den Empfänger kommt. Ganz traditionell per Briefpost, moderner über e-mail oder gleich als Online-Formular?

Bei Laborinformationssystemen (LIMS) ist die "altmodische" Variante nach wie vor am meisten verbreitet - die Informationen werden vom Sender einfach in eine Datei geschrieben, diese Datei wird dann beim Empfänger eingelesen. Natürlich muss der Inhalt der Datei sich nach den zuvor festgelegten Regeln - der Schnittstellendefinition - richten. In den meisten Fällen handelt es sich um Textdateien, die man mit einem beliebigen Texteditor ansehen und auch notfalls nachbearbeiten kann. Häufig verwendet werden auch Dateien im Format von Microsoft Excel.

Aufwändiger, letztendlich aber wesentlich zweckmäßiger sind XML-Dateien, die man auch mit einem normalen Texteditor betrachten kann, die aber durch klare formale Regeln die tatsächlichen Daten oft viel besser abbilden können, auch beispielsweise Hierarchien (Auftrag X hat 10 Proben mit je 20 Parametern etc.). Dazu ist auch die Prüfung auf Korrektheit beim Empfänger sehr leicht umsetzbar. Mehr über XML-Dateien kann in einem früheren Beitrag nachgelesen werden.

Die Dateien - in welchem Dateiformat auch immer - werden dann manuell vom Sender zum Empfänger transportiert (über USB-Stick, als e-mail-Anhang oder anders). Natürlich ist es aber auch möglich, dass der Sender (z.B. ein Analysengerät) die Datei bzw. die Dateiinhalte vollautomatisch an den Empfänger (z.B. eben das LIMS) übermittelt, dafür gibt es verschiedene Verfahren. Sie sind oft etwas aufwändiger einzurichten und kommen daher besonders dann in Frage, wenn sehr oft ein Datenaustausch notwendig ist.

Schiefgehen kann immer etwas ...

Leider sind derartige Schnittstellen eine der häufigsten Fehlerquellen in einem LIMS. Das liegt nicht daran, dass sie typischerweise so kompliziert wären, sondern eher daran, dass sie zwei völlig unterschiedliche "Welten" verbinden müssen, Produkte verschiedener Entwickler mit ganz unterschiedlichen Aufgaben. Wenn die Daten also nicht so ankommen wie sie sollten, kann es durchaus technische Gründe dafür geben, z.B. Netzwerkprobleme. Viel häufiger sind es aber einfach Verständnisfragen bei den Schnittstellenentwicklern. Wenn es sich nicht um standardisierte Schnittstellen handelt (selten), gibt meistens ein Teil die Schnittstellendefinition vor und der Partner (häufig das LIMS) passt die Software an diese Definition an. Hier kann es ganz banale Verständnisprobleme geben, also dass man einen Begriff unterschiedlich versteht. Oder dass die Schnittstellendefinition nur typische, aber keineswegs alle denkbaren Fälle beschreibt und dann unvorhergesehenes Verhalten eintreten kann. Besonders bei Analysengeräten gibt es häufig gar keine klare Schnittstellendefinition, sondern nur Beispiele und das Empfängersystem (das LIMS) kann quasi nur die Regelmäßigkeiten dahinter "erraten".

Auf jeden Fall sind intensive Tests mit allen denkbaren Daten und Variationen vor Inbetriebnahme notwendig, aber auch die Flexibilität, vielleicht erst Jahre später noch Korrekturen vorzunehmen.

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