Der Faktor Mensch (2)

Im vorhergehenden Beitrag haben wir uns Gedanken über mögliche Probleme beim Betrieb eines Laborinformationssystems (LIMS) gemacht, die nicht aus Programmierfehlern oder falscher Planung herrühren, sondern im weitesten Sinn mit der "Psychologie des Anwenders" zu tun haben. Also zum Beispiel, dass der unter Zeitdruck stehende LIMS-Anwender eine wichtige, korrekt vom LIMS angezeigte Fehlermeldung oder Warnung gar nicht liest, sondern einfach wegklickt und erst später merkt, dass dann Daten fehlen oder fehlerhaft sind.

Als LIMS-Entwickler ist man natürlich geneigt, dem unaufmerksamen Benutzer die Schuld dafür zu geben. Der Anwender wird das vermutlich genau umgekehrt sehen ;-) Aber letztendlich geht es ja darum, solche Fehler zu vermeiden, und hierbei sind beide Seiten gefordert. Der LIMS-Anwender dabei, Fehler- und Warnhinweise ernst zu nehmen und nur dann wegzuklicken, wenn die Bedeutung und die Auswirkungen klar sind. Der Entwickler hingegen, die Meldungen so gut wie möglich zu strukturieren, Wichtiges und weniger Wichtiges klar zu trennen, also ganz allgemein die Benutzerführung so gut wie möglich zu optimieren. Auch wenn das bei einem "Nischenprodukt" wie Laborinformationssystemen (LIMS) mit einigen hundert bis tausend Anwendern sicherlich schwieriger ist als bei Betriebssystemen oder Office-Paketen mit vielen Millionen Nutzern.

Doch mit der "Psychologie des Anwenders" ist man nicht erst beim Betrieb des Laborinformationssystems konfrontiert, sondern bereits bei der LIMS-Einführung. Sie ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum der Zeitraum bis zum kompletten Echtbetrieb meist wesentlich länger als vorab angenommen ist. Grundsätzlich wäre es von unserer Seite aus durchaus möglich, eine durchschnittliche Installation des LIMS "uniLIME" in 2-3 Monaten bis zum Echtbetrieb zu bringen, einschließlich der notwendigen kundenspezifischen Anpassungen.

In der Praxis verzögert sich der Prozess aber oft genug durch die Scheu vieler Anwender vor Veränderungen, ganz besonders wenn das Neue ihnen vom Management "aufgezwungen" wird. Doch die notwendigen Anpassungen des LIMS werden nur durch intensive Beschäftigung der Anwender mit dem System klar. Und wenn die Mehrzahl der Benutzer am Anfang alles andere lieber erledigen möchten als sich mit dem neuen System zu beschäftigen, dann verzögert sich das Ganze dementsprechend - zum Leidwesen des Managements. Nach einiger Zeit, sobald die erste psychologische Hürde überwunden ist, kommen dann auch immer mehr Rückmeldungen.

Wie kann man diesen Prozess beschleunigen? Als LIMS-Entwickler sind die Möglichkeiten begrenzt, es ist wohl eher eine typische Aufgabe für das Managements des Auftraggebers. Vielleicht kann man die Neugier der Anwender wecken, indem sie schon beim Planungsprozess stark eingebunden werden und daher das neue System mit Interesse statt Skepsis aufnehmen. Der Hersteller kann und soll aber natürlich die zuständigen Stellen des Auftraggebers beraten, schließlich ist die Einführung eines neuen Laborinformationssystems für jedes Labor ein seltener Sonderfall und es fehlt an Erfahrungswerten und Routine.

< Früherer Beitrag